Was tun, wenn ich Opfer oder Zeuge einer homo- oder transphoben Straftat geworden bin?

Wir mögen zwar im 21. Jahrhundert leben, Gewalt gegen homo- und transsexuelle Menschen hat unsere Gesellschaft aber leider noch nicht hinter sich gelassen. Hinnehmen muss man diesen Zustand mitnichten. Mithilfe der Polizei und verschiedenen Organisationen können Sie gegen Intoleranz und Hass vorgehen.  

Wann ist eine Strafanzeige überhaupt möglich?

Auch wenn die Eine oder der Andere bereits eine dicke Haut entwickelt haben mag, Aussagen wie „Schwuchtel“ und „Dreckslesbe“ oder Ähnliches sind und bleiben Beleidigungen. Solche verbalen Verletzungen sind Straftaten! Auch das Bewerfen mit Gegenständen, Anspucken und andere körperliche Attacken sind strafrechtlich relevant. Die endgültige Bewertung des Vorfalls obliegt der Staatsanwaltschaft.

Haben Sie keine Angst sich anzuvertrauen, kommen Sie zu uns!

Bei möglichen Vorbehalten oder Ängsten sind unsere Ansprechpersonen für Lesben, Schwule, Bisexuelle, inter- und transgeschlechtliche Menschen (LSBTI) für Sie da. Dabei ist die nötige Sensibilität und Pietät garantiert – nicht zuletzt, weil die Kolleginnen und Kollegen durch Seminare, Schulungen und das Netzwerk von Ansprechpersonen und Multiplikatoren für LSBTI innerhalb der Polizei Berlin das richtige Gespür für Ihre Situation mitbringen. Zudem können Sie sich selbstverständlich von einer Person Ihres Vertrauens zur Anzeigenaufnahme begleiten lassen.

Sollte es dennoch Vorbehalte geben, zur Polizei zu gehen, halten Sie sich bitte eines vor Augen: Die Täterinnen und Täter agieren selten einmalig. Mit Ihrer Anzeige können Sie dazu beitragen, erneute Taten zu unterbinden. Außerdem gibt es bei der Polizei möglicherweise bereits Erkenntnisse, weitere Strafanzeigen oder Hinweise, die eine Identifizierung längerfristig möglich machen.

Das heißt:

Zeigen Sie den Sachverhalt an, damit die Polizei weiß, wo Straftaten stattfinden. Nur so können wir überhaupt erfolgreich aktiv werden.

Was passiert nach einer Strafanzeige?

Entweder erhalten Sie eine Vorladung zur Zeugenvernehmung oder Ihnen wird ein Fragebogen zugeschickt. Falls Sie angegeben haben, den bzw. die Täterinnen oder Täter möglicherweise wiedererkennen zu können, werden Sie gebeten, sich entsprechende Fotos anzusehen. Bitte folgen Sie den Vorladungen und geben Sie der Polizei die notwendigen Informationen. Denn Ihre Mithilfe ist von zentraler Bedeutung, um Verdächtige zu ermitteln. Sie können auch eine andere als Ihre Privatadresse angeben, z. B. von einem Opferhilfeprojekt. Hierfür gibt es einen Begriff, den „kleinen Opferschutz“. Es muss allerdings sichergestellt sein, dass Sie über die angegebene Anschrift auch erreichbar sind.

Wie kann ich Strafanzeige erstatten?

Wenn Sie sich in einer Notsituation befinden, oder jemanden sehen, die oder der sich in einer solchen befindet, nutzen Sie bitte den telefonischen Notruf der Polizei „110“. Sie können ansonsten auf jedem beliebigen Polizeiabschnitt Anzeige erstatten. Daneben gibt es die unkomplizierte Möglichkeit eine Straftat unter www.internetwache-polizei-berlin.de online anzuzeigen. Dort tragen Sie Ihre Personalien und den Sachverhalt plus möglicher Zeuginnen oder Zeugen in das Formular ein. Im Verlauf der anschließenden Ermittlungstätigkeiten wird man sich mit Ihnen in Verbindung setzen.

Das Dunkelfeld im Bereich homo- und transphober Straftaten ist überdurchschnittlich hoch. Helfen Sie uns, es zu erhellen!

An wen kann ich mich noch wenden?

Neben den Ansprechpersonen bei der Polizei Berlin gibt es weitere Möglichkeiten Beratung einzuholen und sich helfen zu lassen:

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